Buch: „Die Stimme der Wale“ („Baleen berbaroa“) von Edorta Jimenez

Erstes Buch der Trilogie „Das Meer der wilden Tiere“ („Piztien itsasoa“)
Aus dem Baskischen von Hans-Joachim Wilke

Man schreibt das Jahr 1585.
Der Tag, an dem der Wal in einer Bucht des Seehafens von Mundatxa gesichtet und gefangen wird, ist der Tag, an dem der 14-jährige Fischerjunge Sebastian Zubileta zum Mann wird.
Dies ist seine Geschichte.

Um es gleich vorwegzunehmen: Dieser Roman ist keine baskische Version von „Moby Dick“, wie auch schon der „Gernika Deutsch-Baskische Kulturverein“ konstatiert, sondern vielmehr eine fesselnde historische Darstellung. Auf sehr hohem sprachlichem Niveau und in einem ergreifend bildhaften Erzählstil entführt der Autor den Leser ins Baskenland des 16. Jahrhunderts, in die Zeit also, in der die spanische Krone die „Unbesiegbare Armada“ für den Angriff auf England vorbereitet.

Aus sehr hohem Alter zurückblickend erzählt Sebastian in diesem ersten Teil einer Trilogie von den Ereignissen der Jahre, die dem oben erwähnten Walfangtag  - am Tag nach Allerheiligen - folgen und die seinen weiteren Lebensweg von nun an bestimmen werden.
Ein vermeintlich mysteriöser Mord, die abscheuliche Inquisition, dunkle Geheimnisse, Irr- und Aberglaube, unheimliche Ahnungen, böse Mächte, Liebe und Intrigen führen zu dem, was letzten Endes in jenem unheilvollen und ungeheuerlichen Pakt endet, den Sebastian mit seinem Vetter Hernando schließt und der ihn - Gunstbeweis gegen Gunstbeweis – auf die Animas führt, ein Schiff der spanischen Armada, die unter König Philipp II. zum Sturz Elisabeth I. gegen England gerüstet wird. Im Moment, an dem Sebastian das Schiff betritt, endet dieser erste Band – und man kann problemlos nachvollziehen, weshalb der Autor selbst sein Werk als „Thriller“ bezeichnet.

Dieser Roman ist nichts für „mal eben zwischendurch“. Man muss sich einlassen auf die mannigfaltigen Bilder und eine Langsamkeit im Erzählen, die in manchen Momenten unserer schnelllebigen Zeit fast quälend anmutet. Der Leser wird jedoch hoch belohnt: mit einer spannenden Geschichte, in der nicht viel so ist wie es scheint und man sich eine gesunde Skepsis gegenüber vermeintlichen Wahrheiten bewahren muss.
Unbedingt lesenswert!

Über den Autor:
Geboren 1953 im baskischen Küstenort Mundaka, studierte Edorta Jimenez Ormaetxea Baskische Philologie und arbeitete in verschiedenen Berufen – als Seemann, Lehrer, Übersetzer, Journalist und Drehbuchautor. Erst in den letzten Jahren richtete er sein Leben ganz auf das Schreiben aus und ist in fast allen literarischen Genres tätig: in Kinder- und Jugendliteratur, Reportagen, Kurzgeschichten, Romanen, Essays und Gedichten.
2007 erschien sein Roman „Der Lärm der Grillen“ über den Spanischen Bürgerkrieg als deutsche Übersetzung.

Die Übersetzung von „Die Stimme der Wale“ aus dem Baskischen wurde vom Baskischen Institut Etxepare gefördert; die Originalfassung erschien 1997 unter dem Titel „Baleen berbaroa“.

Mohland Verlag 2012, 274 Seiten, €14,95, ISBN 978-3-86675-175-0

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